Der Mann ohne Eigenschaften

von Robert Musil

in einer Bearbeitung von Ute Bauer und Jakub Kavin
– eine ArcheActs Produktion –

Die Stückfassung:

Der Grundgedanke der Stückfassung ist es, Musils Protagonisten als einen Menschen des 21. Jahrhunderts zu zeigen, der in den Möglichkeiten, die ihm sein Intellekt bietet, stecken bleibt und nicht, und wenn, dann nur zufällig, in jedem Fall aber ohne innere Beteiligung, ins bewusste Handeln kommt.

UlrICH wird als Mensch und nicht als Mann gedacht, auch andere Zuschreibungen wie Herkunft , kultureller Hintergrund und Sprache werden universell gesehen, sodass die Figur UlrICH nicht männlich, weiß, intellektuell gelesen wird, sondern als ein menschliches Wesen, das im Heute den Versuch unternimmt, Identität zu entwickeln ohne jedes Commitment.

Diese Idee spiegelt sich in der Tatsache, daß vier UlrICHs ihr Universum erforschen, sich  ausgehend von einem möglichen Ich versuchsweise einem Du zuwenden und sich in der Gesellschaft bewegen. Den vier UlrICHs sind auch vier Agathes gegenübergestellt, wobei auch hier gängige Geschlechtszuweisungen verunmöglicht werden, indem UlrICH eine Geschwisterseele sucht und nicht eine Schwester.

Der erste Akt „Ulrich“ zeigt den Menschen ohne Eigenschaften in seinen Grundideen, seinen Irrungen und Wirrungen, gefangen in den Endlosschleifen und Labyrinthen seiner Gedanken.

In „Ulrich und die Frauen“, dem 2. Akt,  tritt Ulrich  ansatzweise vom Innen ins Außen und versucht sich an einem Du. Auch hier Wiederholung, anderer Schauplatz, selbe emotionale Gegebenheit und letztlich Scheitern.

Im dritten Akt „ Parallelaktion“ findet Handlung im gesellschaftlichen Außen statt. UlrICH wird- wider Willen- beteiligter Unbeteiligter oder unbeteiligter Beteiligter in einem gesellschaftlichen Prozess, der ins Leere führt.

Mit „Agathe und Ulrich“, dem vierten Akt, unternimmt Ulrich den Versuch, zu einer möglichen Ganzheit zu gelangen, indem er sein Ich quasi um eine Geschwisterseele zu erweitern und zu vervollständigen versucht.

Die vier gleich langen Akte, in denen ausschließlich Musiltext zu hören ist,  werden durch Zwischenakte ergänzt, in denen das Ensemble den Spielraum verlässt und  sich auf gleiche Ebene mit dem Publikum begibt: Slampoetry, die Korrespondenztexte zum Stück sind, herkunftsspezifische, identitätsbildende  Anekdoten aus dem Leben einzelner Ensemblemitglieder, sowie ein Gespräch zwischen Ensemble und Publikum sind Teil dieser Zwischenakte.

Die Inszenierung:

In seiner poetisch-sinnlichen Inszenierung entführt Jakub Kavin den Zuschauenden im 1. Akt in UlrICHs Universum. Klangbilder, visuelle Reflexionen und Musils Worte öffnen Tore in UlrICHs Innenwelten, in seine Annäherungsversuche an mögliche Wirklichkeiten und wirkliche Möglichkeiten. Vier UlrICHs suchen mit den Mitteln des Physical- Theaters  eine  Form im Labyrinth ihrer Existenz.

Im 2. Akt geht UlrICH, gehen die UlrICHs, versuchsweise zu einem Du und begegnen den Frauen ihres Lebens. Clarisse, Bonadea, Diotima und Gerda kreuzen seine Wege. Immer ist nur ein Teil-UlrICH involviert in die unmittelbare Aktion, während die anderen UlrICHs beobachtend, denkend, nachdenkend, peripher beteiligt, bzw. in ihrer eigenen Geschichte sind, sodass ein Gesamtbild entsteht, das zeigt, dass  UlrICH-Sein in unterschiedlichsten Ausprägungen möglich ist, weil eben „nichts eine feste Form hat“.

Jedes Commitment verweigernd, gerät UlrICH  im dritten Akt in die  Parallelaktion, die in dieser Inszenierung zum Spiegel jener gesellschaftlichen Prozesse wird, in denen der Versuch, Großes, Wichtiges voranzutreiben, ins Leere läuft.

Jakub Kavin inszeniert die Parallelaktion als politische Veranstaltung mit dem Slogan „Parallelaktion- wir zuerst“. Reden, Vereinbarungen, Absprachen und Mauscheleien, die wohl für Stimmung sorgen und intensive Momente schaffen, sich jedoch verlieren im Reden und im Gerede, in Bildern und Posts, in Wahrheit und Pseudo-Wahrheit, in öffentlicher und veröffentlichter Wirklichkeit, führen dazu, dass die geplante Großaktion immer mehr zerbröckelt und zerfällt.

UlrICH bleibt leer zurück. Im Gespräch mit Walter und Clarisse, inszeniert als After-Show-Happening reflektieren die ehemaligen Jugendfreunde Erlebtes und Gedachtes und auch hier wird deutlich, dass sich Ideen, Argumente und Gedanken im Kreis drehen, ohne konkrete Handlungen nach sich zu ziehen.

Im 4. Akt zieht sich UlrIch  mit seiner Schwester Agathe zurück, in ihm der Traum von einem erweiterten Ich, einer anderen Hälfte, getrieben vom Wunsch nach Vollständigkeit. Vier UlrICHs treffen auf vier Geschwister, inszeniert als vorerst spielerische Begegnung, in der das Spiel in die Abgründe der Seelen führt.

An zwei Punkten des Stücks werden Correspondances-Texte gesetzt, in denen sich die Poetry-Slammerin Janina Lenauer einerseits mit UlrICHs missbräuchlichen (Nicht-) Beziehungen zu Frauen und andererseits mit der politischen Aktion aus der Perspektive einer heutigen jungen Frau auseinandersetzt, wodurch der Bogen ins Hier und Jetzt erneut deutlich sichtbar wird.

 Die Musik:

Julia Bayers avantgardistischer musikalischer Zugang stellt einen Kontrapunkt zu Musils Klassiker dar. Improvisierte Musik in kammermusikalischer, sparsamer, jedoch außergewöhnlichen Besetzung von Theremin, Saxophon, Violine und elektronischen Sounds unterstützen die Produktion in bewusster Reduktion.

Der Bühnenraum:

Das Universum des Menschen ohne Eigenschaften ist begrenzt durch eine transparente Wand und einen Screen. Stege bieten unterschiedliche Höhen und der Bodenspielraum ist durch einen Teppich gekennzeichnet, sodass Ulrichs Welt eine räumliche Struktur erhält.

Der Cast:

17 Schauspieler:innen, eine Poetry Slammerin, eine Musikerin

Ulrich: Jakub Kavin, Peta Klotzberg, Marco Otoya, Julija Pitzek

Agathe: Elisabeth Kofler, Ludwig Psenner, Christian Schiesser, Enzo Visca

Bonadea: Simone Uebelhart

Clarisse: Margot Binder

Diotima: Eszter Hollósi

Gerda: Amélie Persché

Arnheim: Georg Beham-Kreuzbauer

General Stumm: Laila Dine, Manami Okazaki

Graf Leinsdorf: Nagy Vilmos

Moosbrugger: Christian Schiesser

Walter: Eckart Schönbeck

Poetry Slammerin: Janina Lenauer

Musikerin: Julia Bayer

 Das Team:

Regie: Jakub Kavin

Outside eyes: Ute Bauer, Thyl Hanscho, Nagy Vilmos und Ina Saxl

Musik: Julia Bayer

Dramaturgie: Ute Bauer

Kostüme: Ina Saxl

Raumgestaltung: Jakub Kavin, Ludwig Psenner und Ina Saxl

Regieassistenz und Plakatfoto: Aimee Straub

Regiehospitanz: Anastasiia Baranova

Grafik: Peta Klotzberg

 

Spielort:

TheaterArche, Münzwardeingasse 2a, 1060 Wien

Premiere am 11. September 2025 um 19:30 Uhr

Spielort: TheaterArche, Münzwardeingasse 2A, 1060 Wien

Weiter Spieltermine:

13., 26., 27. und 28. September 2025

15. – 17., & 22.-24. Jänner 2026, 5. – 7., & 12. – 14. März 2026

Jeweils um 19:30

Fotos © Jakub Kavin

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Vorschau:

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Der_Mann_ohne_Eigenschaften_2_Akt
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Der_Mann_ohne_Eigenschaften_3_Akt
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Der_Mann_ohne_Eigenschaften_4_Akt
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Der_Mann_ohne_Eigenschaften_1_Akt
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